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31 Jan 2020

Stahl und Kreislaufwirtschaft

Kontinuierlicher Fluss von technischen und biologischen Materialien durch den „Value Circle", mit freundlicher Genehmigung der Ellen-MacArthur-Stiftung.

Die Kreislaufwirtschaft (engl.: Circular Economy) ist ein Ausdruck des Architekten Walter R. Stahel, der in seiner Arbeit „The Product Life Factor“ im Jahr 1982 erstmals ein Modell für ein in sich geschlossenes Wirtschaftssystem beschrieben hat, das heute allgemein als Kreislaufwirtschaft bezeichnet wird.

Aus seiner damals wohl eher als atavistisch angesehenen Sichtweise heraus schlug er vor, die Nutzungsdauer eines Produkts zu verlängern, um die Ressourcenverknappung und die Abfallerzeugung zu verringern.

Das kreislaufbasierte ökonomische Denken erweitert dieses Modell und berücksichtigt darüber hinaus die weiteren Nutzungsmöglichkeiten für alle Arten von Gütern am Ende ihrer Lebensdauer. Dazu gehören industriell hergestellte Produkte, aber auch landwirtschaftliche Erntegüter und Lebensmittel.

Der Aphorismus „Von der Wiege zur Wiege“ (Cradle-to-Cradle) beschreibt dieses Konzept gut: Der Abfall aus dem einem Prozess wird zum Rohstoff eines anderen Prozesses.

Es wurde schon viel getan, um die Methodiken der Kreislaufwirtschaft weiter zu entwickeln, insbesondere durch die Ellen-MacArthur-Stiftung. Die Seglerin gründete die Stiftung, nachdem sie auf ihren Reisen darauf aufmerksam wurde, wie notwendig die Erhaltung endlicher Ressourcen für unser Überleben ist. Der von der Stiftung und McKinsey & Company erstellte Bericht „Towards the Circular Economy“ ist eine wegweisende Arbeit auf diesem Gebiet.

Die Kreislaufwirtschaft und die Herstellung von Produkten nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip (kurz: C2C, „Von der Wiege zur Wiege“) erfordern einen tiefgreifenden Wandel im Denken darüber, wie wir Dinge nutzen – und wie wir Dinge „besitzen“. Wir sollten Gegenstände nicht einfach austauschen oder erneuern, wenn sie alt oder kaputt sind. In der Kreislaufwirtschaft könnte dies zwar noch möglich sein, das ursprüngliche Produkt müsste aber trotzdem recycelt und als Rohstoff wieder eingesetzt werden.

Die Kreislaufwirtschaft basiert auf den unten skizzierten Prinzipien und der Idee, dass es für alle Prozesse „Nährstoffströme“ gibt, die oft aus Abfällen anderer Branchen sowie aus Abfallprodukten und alten Endprodukten entstehen können.

Nährstoffe werden als biologisch oder technisch bezeichnet: Biologische Nährstoffe sind zum Beispiel Lebensmittelabfälle, während technische Nährstoffe Rohstoffe wie Stahl beschreiben.

Abfall = Lebensmittel. In der Kreislaufwirtschaft gibt es keine Abfälle.

Alles kann (in vernünftigem Rahmen) wiederverwendet, wiederaufbereitet oder in einem anderen Prozess recycelt werden. Stellen Sie sich vor, Sie mieten eine Geschirrspülmaschine, anstatt sie direkt zu kaufen. Sie wird für eine bestimmte Anzahl von Spülzyklen gemietet und dann zur Wiederverwendung, Aufarbeitung oder zum Recycling an den Hersteller zurückgegeben. Fast alles, was wir besitzen oder täglich nutzen, könnte mit diesem Modell beschafft und verwaltet werden und mit neuen, sich ständig verbessernden Technologien wie dem Internet der Dinge kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Stahl

Die Lieferkette von Stahl ist ein gutes Beispiel für die Kreislaufwirtschaft im Mikrokosmos. Aufgrund ihrer Eigenschaften, die die Rückgewinnung von Stahl aus Schrott erleichtern (z.B. durch Magnetismus), werden Stahl und Eisenmetalle seit langem recycelt. Das Kreislaufwirtschaftsmodell von Stahl ist daher etabliert und recht effizient (in einigen Gebieten werden bis zu 98 Prozent Stahl recycelt). So können wir mit großer Sicherheit sagen, dass nur sehr wenig Eisen und Stahl auf Deponien abgeladen wird. Das meiste davon wird recycelt, sofern es wiederverwertbar ist. Die gebräuchlichste Form des Stahlrecyclings ist, dass er zu einem Rohmaterial für den Lichtbogenofen (engl.: Electric Arc Furnace, kurz: EAF) wird oder im Rahmen des Linz-Donawitz-Verfahrens (engl: Basic Oxygen Steelmaking, kurz: BOS) eingesetzt wird.

Da Ressourcen- und Energieknappheit in Zukunft immer dringendere Probleme werden, ist es notwendig, verschiedene kreislaufbasierte Modelle und ihre Wechselbeziehungen in unser Lebensverständnis zu integrieren. Im Baugewerbe könnte es sich dabei um bessere Verwertung und Wiederverwendung von Materialien, Metallen, Aggregaten, Dämmstoffen, Kunststoffen und Glas handeln. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie sich diese Vorgänge in bestehende sozioökonomische Modelle integrieren lassen.

Lange Lebensdauer, emotionale Bindung

Konsumgüter sowie gebaute Infrastrukturen müssen langlebig, anpassungsfähig und reparierbar sein. Die Voraussetzung dafür, dass etwas dann auch möglichst lange genutzt wird: Der Verbraucher muss eine emotionale Bindung zu dem Gegenstand aufbauen, damit er ihn trotz oder sogar wegen seiner Gebrauchsspuren und Makeln aufbewahrt. Seinem Auto einen Namen zu geben, ergibt in dieser Welt also absolut Sinn.

Derartige Denkweisen sind bei kleineren Objekten recht einfach vorstellbar – aber liebevolles Denken an das eigene Bürogebäude oder die Fabrik könnte ein schwierigerer Schritt sein. Es sei denn, eine solche emotionale Verbundenheit würde durch das Design bewusst gefördert werden. Bereits die viktorianischen Philanthropen wollten Passanten und Besuchern sofort vermitteln, dass ein Gebäude von jemandem errichtet wurde, dem es am Herzen liegt und der sich um sein Vermächtnis und seine zukünftige Wahrnehmung kümmert.

Diese Sorgfalt, die vom Kunden und Bauverantwortlichen über den Architekten und Ingenieur bis hin zum Zimmermann, Schreiner und Maurer reicht, ist vielleicht das wichtigste Argument, um Geld sinnvoll für hochwertige Materialien und gute Verarbeitung auszugeben. Und es ist auch eben diese Achtsamkeit, die – zusammen mit einem geeigneten System für die Wiederverwendung und das Recycling von allen Gütern – das eigentliche Wesen der Kreislaufwirtschaft ausmacht.





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