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03 Mrz 2020

Demontage und Wiederverwendung planen

Die wachsende Weltbevölkerung und steigender Wohlstand haben großen Einfluss auf die Nut-zung von Rohstoffen und Energie. Es wird immer klarer, dass der Übergang von der klassischen linearen Wirtschaft zur Kreislaufwirtschaft notwendig ist. Stahl ist zu 100 Prozent recyclebar – ohne Einbußen bei der Qualität. Zudem können Stahlkomponenten als Bauteile wiederverwendet werden. Daher eignet sich Stahl ausgezeichnet, um den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu gestalten und in diesem Sinne zu denken, zu entwickeln, zu planen und zu bauen.

Ein gutes Beispiel ist das Logistikzentrum Fokker 7|8 im Anthony Fokker Business Park, dem ehemaligen Fabrikgelände des Flugzeugherstellers Fokker am Schiphol Flughafen in den Niederlanden. Es ist das erste nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip entwickelte Logistikgebäude der Welt. Bei der Planung des Projekts lag der Fokus darauf, dass alle Materialien und Teile leicht wiederverwendbar sind. Stahl spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Logistikzentrum wurde von Coert Zachariasse von der Delta Development Group, die auf Cradle-to-Cradle-Projekte spezialisiert ist, und Tata Steel gemeinsam entwickelt. Fokker 7|8 wurde in zwei Schritten erbaut: Gebäude 7 im Jahr 2015, Gebäude 8 im Jahr 2017.

Einfach zu demontieren – immer wieder

Wenn man in Kreisläufen denkt, muss das Gebäude als Ganzes oder in Teilen wiederverwendbar und darum einfach in seine Bestandteile zerlegbar sein. Die Erfahrung und die Expertise von Zulieferern wie Tata Steel kann insofern sehr hilfreich sein, dass bereits in der Entwicklungsphase die richtigen Entscheidungen getroffen werden – sowohl aus technischer als auch aus finanzieller Sicht. Wer kennt die Möglichkeiten des Materials besser? Manchmal können relativ einfache Änderungen einen großen Unterschied machen. Beispielsweise indem nur mit verschraubten anstatt verschweißten Verbindungen bei der tragenden Stahlkonstruktion gearbeitet wird. Auch andere Gebäudekomponenten des Logistikzentrums wie das Stahldach und Fassadenelemente lassen sich auseinander bauen und wiederverwenden, da sie mit Schrauben an die Stahlkonstruktion montiert wurden.

Andere Lösungen sind innovativer: Die Gründung der Stützen der tragenden Stahlkonstruktion erfolgt nicht durch Betonfundamente, sondern über ein Stahlgehäuse rund um den Stützenfuß. Dieses Gehäuse ist mit stabilisierendem Sand gefüllt und mit einer dünnen Schicht Beton bedeckt. Um die Stützen künftig wiederzuverwenden, muss lediglich diese obere Betonschicht entfernt werden. Anschließend sind die Verankerungen freigelegt und die Stützen lassen sich demontieren.

Intelligentes Datenmanagement

Nicht nur Entscheidungen bei der Materialauswahl für ein Gebäudes machen die Wiederverwendung möglich. Auch intelligentes Datenmanagement während des Entwurfs, der Planung, des Baus und der Nutzung sollte Teil der Strategie sein. Das Sammeln und Auswerten von Materialdaten trägt dazu bei, eine Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. Ein gutes Hilfsmittel ist die Modellierung mit BIM (Building Information Modelling), das immer häufiger verwendet wird. Auch beim Fokker Projekt kam es zum Einsatz. Das BIM Modell macht Material hundertprozentig rückverfolgbar. Die Daten des Materials sind im virtuellen Gebäudemodell hinterlegt. Der digitale Material-Pass zeigt, wo ein einzelnes Produkt im Gebäude aufzufinden ist, in welchem Umfang, wie es verarbeitet wurde und wie es für die Wiederverwendung demontiert werden kann.

Das passt perfekt zu der Wiederverwendungsidee des Projekts und der Vision, den Lebenszyklus eines Gebäudes sowie seine Auswirkungen auf die Umwelt stärker zu berücksichtigen. Die anerkannte Methode, die zu diesem Zweck zum Einsatz kommt, ist die Erstellung sogenannter Ökobilanzen (LCA; Life Cycle Analysis).

Da das Fokker Logistikzentrum als Ganzes oder in Einzelteilen wiederverwendbar ist und der Effekt der Weiterverwendung von Stahl gezeigt werden konnte, hat das Projekt 2015 den Steelie Award der World Steel Association in der Kategorie „Excellence in Life Cycle Assessment“ gewonnen.

1 plus 1 ist 3

Letztlich ist das Gesamtkonzept einer nachhaltigen Konstruktion die Summe seiner Einzelteile. Das Resultat davon, dass unzählige Details optimal verzahnt sind. Dazu zählt auch die Wiederverwendung im Blick zu haben – genau wie die Energieeffizienz. Zu diesem Zweck müssen beispielsweise Wärmedämmung, Solarpaneele, Tageslicht-Reflektion und Luftdichtheit berücksichtigt werden. Die Wahl des Produkts in diesen Bereichen hat unmittelbaren Einfluss auf die Nachhaltigkeit eines Bauprojekts. Mehr dazu können Sie in unseren Artikeln zu diesen Themen lesen: Farbbeschichtungen, Photovoltaik-Paneele, Wärmenutzung und ...'

Gemeinsam stark

Zweifelsfrei braucht es heute einen anderen Blick auf die Art des Bauens, der alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette herausfordert, sich zu verändern. Wir sind davon überzeugt, dass Teamarbeit und frühe Abstimmung unter allen involvierten Parteien der Schlüssel zum Erfolg ist – nur so kann das notwendige Wissen schnell an der richtigen Stelle verfügbar gemacht werden und der Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft sanfter und besser vonstattengehen. Die Zusammenarbeit mit Delta Development für das Fokker 7|8 Logistikzentrum ist ein gutes Beispiel dafür.





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